Flüchtlings- und Integrations- beauftragte

Jeanette Renk-Mulder
Stadt Bad Rappenau
Tel. 07264 / 922 375
jeanette.renk-mulder@badrappenau.de

 

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Sprechstunden: Mo-Do 9-11 Uhr und nach Vereinbarung

 

 

Bundesfreiwillige

Lesley Richards
Stadt Bad Rappenau
Tel. 07264 / 922 375
lesley.richards@badrappenau.de

 

Beschreibung unserer Initiative (Stand Januar 2021)

Der Hintergrund

Die ehrenamtliche Initiative „Gemeinsam in Bad Rappenau“ wurde im August 2015 gegründet. Sie vereint HelferInnen, Geflüchtete und andere MigrantInnen aus allen Ortsteilen der Stadt Bad Rappenau. Die Flüchtlings- und Integrationsbeauftragten der Stadt Bad Rappenau koordinieren diese Initiative und gemeinsam setzen sie Aktivitäten und Projekte um.

Dabei handelt es sich um ein vielfältiges Angebot an einmaligen und längerfristigen Angeboten und Projekten, Ausflügen, Veranstaltungen und Sprachhilfe, aber auch ehrenamtliche Unterstützung bei der Bewältigung des Alltags.

Nach dem aktuellen Stand (Januar 2021), leben in Bad Rappenau ca. 410 Geflüchtete, davon ungefähr 150 Kinder und Jugendliche. Es gibt drei größere Gemeinschaftsunterkünfte und viele weitere kleine Unterkünfte und Anschlusswohnungen in Bad Rappenau und den Teilorten.

Die Entwicklung

Unsere Aufgabe ist es, die Zugewanderten zu erreichen und jedem genau die Unterstützung zu geben, die er zum selbstständig werden benötigt: Hilfe zur Selbsthilfe. Am Anfang handelte es sich vor allem um Nothilfe, dann stand die Sprache im Vordergrund, daraufhin gewannen die Arbeits- und Wohnungssuche an Bedeutung und mittlerweile ist die richtige Integration in die Gesellschaft unser Hauptthema. Dazu wollen wir viele Begegnungen organisieren, sobald das die Coronaregelungen wieder erlauben.

Sprachhilfe

Standen am Anfang der Initiative die ehrenamtliche Erstvermittlung der deutschen Sprache (teilweise auch die Alphabetisierung) im Fokus, um Orientierung im Alltag zu ermöglichen, hatten die meisten Geflüchteten mit Beginn 2017 einen Platz in einem regulären Integrationskurs. Der größte Teil der ehrenamtlichen Deutschkurse war daher nicht mehr notwendig, nur derjenige für die Frauen der GU in Bonfeld wurde weitergeführt, bis im Juli 2017 ein Frauendeutschkurs mit Kinderbetreuung in Bad Rappenau eingerichtet wurde. Viele der Geflüchteten haben mittlerweile die B1, manche sogar die B2 oder die C1 Prüfung bestanden.

Trotzdem gibt es noch einige Sprachpatenschaften, welche in Familien den Spracherwerb unterstützen. Um die SprachpatInnen in Ihrer Arbeit zu unterstützen und auf die speziellen Herausforderungen der Sprachpatenschaft vorzubereiten, fanden in Zusammenarbeit mit dem „Verein für Leseförderung e.V.“ und der Kurbibliothek Bad Rappenau drei Veranstaltungen zu Sprachvermittlung und Interkulturalität statt.

Die Arbeitssuche

Das Thema „Arbeit und Ausbildung“ ist zu einem ganz wesentlichen geworden. Mit der Unterstützung von Ehren- und Hauptamtlichen haben in den letzten Jahren mehr als 100 geflüchtete Männer und Frauen erfolgreich eine Arbeit oder Ausbildung gefunden. Die Arbeitsvermittlung wurde im Jahr 2019 nochmal professionalisiert, es finden jetzt wöchentliche (im Moment online) Sprechstunden statt.

Um Geflüchtete und Unternehmen zusammenzubringen, haben wir in enger Zusammenarbeit mit der Agentur für Arbeit, dem Jobcenter und mit mehreren ArbeitgeberInnen aus der Region auch drei Bewerbertreffen im Rathaus organisiert. Aus diesen Begegnungen entstanden mehrere Praktikums- und Arbeitsstellen.

Stärkung der Frauen

Im Schuljar 2018-2019 haben wir in Zusammenarbeit mit den Kommunen Eppingen und Sinsheim und mit finanzieller Unterstützung vom Land Baden Württemberg das Projekt ‚Frauen kommen an‘ durchgeführt.  Es gab monatliche Workshops und Veranstaltungen, die die Frauen als Individu, als Mutter und als Berufstätige stärkten. Es gab Workshops zu Themen wie zum Beispiel die berufliche Zukunft in Deutschland, persönliche Stärken und Schwächen, die Rolle von Eltern im deustchen Bildungssystem, Frauengesundheit und Verhütung, Interkulturelle Kommunikation, etc. Parallel dazu gab es für einige Frauen ein individuelles Coaching und Fahrradunterricht. Etwa 25% der Teilnehmerinnen in Bad Rappenau hat anschließend eine (VZ, TZ oder frei-) berufliche Tätigkeit gefunden.

Die eigene Wohnung

Einen weiteren wichtigen Bereich stellt das Thema „Wohnung“ dar. Neben unserer alltäglichen Wohnungssuche und –vermittlung, der Unterstützung bei der Organisierung von Möbeln und Einrichtungsgegenständen sowie der Koordinierung von Umzügen stellt die Nachbetreuung nach einem Umzug (Informationen zu Mieterrechten und –pflichten, Ummeldungen, Abfallwirtschaft, Heizen, Strom- und Versicherungsverträge etc.) eine zentrale Aufgabe dar. Um in diesem Feld die Kompetenzen der Geflüchteten zu stärken, wurden im Dezember 2017 zwei Seminare durchgeführt, bei deren erfolgreichem Abschluss Geflüchtete einen Mietführerschein erhalten haben.

Kinder und Jugendliche

Die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen nimmt einen großen Stellenwert ein. Bei vielen Kindern ist es wichtig, sie durch die Schulzeit zu begleiten, gemeinsam zu lernen oder bei den Hausaufgaben zu unterstützen. Dafür organisieren wir unter anderem Lese/Sprachpaten und Hausaufgabenbetreuung. Bei anderen ist es wichtiger dabei zu helfen, Kontakte zu knüpfen oder individuelle Stärken zu fördern, etwa in Vereinen oder im Jugendhaus. In Bonfeld gab es lange einen wöchentlichen Spielkreis für Kinder, ein weiterer bestand bis zum Sommer 2017 in Bad Rappenau. Auch haben wir einen Schwimmkurs organisiert und mehrere Kinder in die regulären Kurse der DLRG vermitteln können.

Während der Sommerferien gab es für die Kinder die Möglichkeit beim städtischen Ferienprogramm mitzumachen. Auch das Jugendhaus hatte ein eigenes Ferienprogramm, welches etliche Kinder nutzten.  Zudem konnten wir es gemeinsam mit dem Sozialdienst und dem Förderverein für Kinderfreizeiten vielen Kindern ermöglichen, an der zweiwöchigen Gaffenbergfreizeit teilzunehmen.

Darüber hinaus wurden viele kleinere Events für Kinder und Jugendliche organisiert, bspw. Ausflüge in die Kletterarena Heilbronn, Vorstellungen des Theaters Radelrutsch, der Besuch der Experimenta und des Zweirad- und NSU-Museums, ein Ausflug zum Bauernhof und die Erschließung der Kurbücherei, welche in vielen Rappenauer Flüchtlingskindern neue Stammkunden gefunden hat.

 

Sonstiges

Wesentlich erwähnt werden müssen die immer noch vielen Ehrenamtlichen, von denen viele seit nunmehr fünf Jahren unermüdlich im Einsatz sind. Vieles, was unter der Regie und Koordination der Flüchtlings- und Integrationshilfe geschieht, wären ohne die Ehrenamtlichen nicht realisierbar. Sie unterstützen die Menschen in jeglichen Lebenslagen, sei es der Bildungs- und Gesundheitsbereich, die erste eigene Wohnung, der Umgang mit Behörden oder einfach das miteinander Sein.

Die Fahrradwerkstatt wird wöchentlich von einem multikulturellen Team betreut. Hier bekommen alle Rappenauer NeubürgerInnen die das möchten ein verkehrstüchtiges Fahrrad mit Fahrradhelm gestellt. Sie bekommen auch mehrsprachige Flyer mit den Verkehrsregeln. Außerdem führen Sie gemeinsam Reparaturen durch.

Die Kleiderkammer ist normalerweise (ohne Lockdown) wöchentlich geöffnet. Dort findet man neben zur Saison passender Kleidung auch Handtücher, Rucksäcke, Decken, etc. Im Kleiderkammerteam arbeiten auch mehrere Geflüchtete mit.

Darüber hinaus organisierten wir Informationsveranslatungen zu Themen wie zum Beispiel ‚Möglichkeiten und Grenzen des Familiennachzugs‘, „Familie sein in Deutschland“, „was wird im Bildungssystem von Eltern erwartet“, „Die Gesundheit meines Kindes“, etc.

 

Integration:

Begegnung ist der Schlüssel für das Gelingen von Integration. Wir haben in den letzten Jahren viele Begegnungsmomente verschiedenster Art organisiert: Begegnungscafés, Feste, Durchführung öffentlicher Veranstaltungen, Mitgliedschaft in Vereinen, Vermittlung von Patenschaften (s.o.), die Teilnahme an öffentlichen Aktivitäten etc. Im Begegnungscafe, das zuerst wöchentlich, dann monatlich und dann alle 3 Monate stattfand,  haben wir uns neben dem Begegnungs- und Gemeinschaftsaspekt auch darauf konzentriert, thematische Schwerpunkte zu setzen: während mehrerer Termine wurde von ehrenamtlichen Jobcoaches erfolgreich eine Arbeitsberatung und -vermittlung mit der Erstellung von Lebensläufen und Fotos durchgeführt, es wurde über den Führerscheinerwerb  informiert und es stellte sich an zwei Terminen der Rappenauer Frisbeeverein vor, dem mittlerweile mehrere Geflüchtete beigetreten sind. Zudem bietet das Café für Viele die Möglichkeit, diverse Anliegen schnell zu besprechen und Lösungen zu finden.

Die Integrationshilfe informiert die ZuwanderInnen regelmäßig über städtische Veranstaltungen, damit sie am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können (z.B. Spiele ohne Grenzen, Gesundheitslauf, Lichterfest, etc.).

Doch weisen wir nicht nur auf öffentliche Events hin, regelmäßig richtet sich die Flüchtlings- und Integrationshilfe mit eigenen Veranstaltungen an die Öffentlichkeit. Mit Aktionen wie „Gast am Grill“, „Gemeinsames Kochen im Camp“ oder dem zusammen mit Azubis der Deutschen Bahn ausgerichteten Fußballturnier „Anstoß zur Integration“ suchten wir aktiv Rappenauer BürgerInnen für den Kontakt mit Geflüchteten zu gewinnen.

 

Zusammenfassung

Die Initiative „Gemeinsam in Bad Rappenau“ ist in enger Zusammenarbeit mit der Flüchtlings- und Integrationshilfe im Rathaus unermüdlich dabei, sowohl im Alltag zu helfen und unterstützend zur Seite zu stehen, als auch von Zeit zu Zeit aus dem Alltag auszubrechen und mit Projekten Höhepunkte im Leben der NeubürgerInnen zu setzen.

Wir bereiten sie darauf vor, auf eigenen Füßen zu stehen und selbstständig zu werden. Bei vielen hat das schon geklappt, andere brauchen noch unsere Unterstützung.

Download als PDF: Beschreibung der Initiative 01.2021