Beschreibung der Initiative „Gemeinsam in Bad Rappenau“ (09.2016)

3 Begegnungsfest Bonfeld 5.3.2016 (102)Die Initiative „Gemeinsam in Bad Rappenau, für und mit Flüchtlingen“ wurde im Sommer des letzten Jahres gegründet. Sie vereint Bürger aus der Stadt Bad Rappenau mit all ihren Ortsteilen. Sowohl alt eingesessene Ehrenamtliche als auch neu Interessierte sind Teil der Initiative, welche in Kooperation mit der Flüchtlingshilfe Bad Rappenau Projekte plant und umsetzt.

Dabei handelt es sich um ein vielfältiges Angebot an einmaligen und längerfristigen Projekten, Ausflügen, Veranstaltungen und Sprachstunden, aber auch ehrenamtliche Unterstützung bei der Bewältigung des Alltags.

Die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen nimmt hierbei einen großen Stellenwert ein. Nach dem aktuellen Stand (08.09.2016), leben in Bad Rappenau etwa 240 Flüchtlinge, davon ungefähr 70 Kinder und Jugendliche. Neben einer großen Gemeinschaftsunterkunft im Stadtteil Bonfeld gibt es noch viele weitere kleine Unterkünfte in Bad Rappenau und Teilorten.

Unsere Aufgabe ist es, alle Menschen zu erreichen und jedem genau die Unterstützung zu geben, die er benötigt um selbstständig zu werden: Hilfe zur Selbsthilfe.

So ist es bei manchen Kindern wichtig, sie durch die Schulzeit zu begleiten, gemeinsam zu lernen oder bei den Hausaufgaben zu unterstützen. Bei anderen ist es wichtiger dabei zu helfen, Kontakte zu knüpfen oder individuelle Stärken zu fördern. Innerhalb der Initiative ergaben sich schon einige Projekte über die im Folgenden ein Überblick geschaffen werden soll.

Begegnung ist wichtig für das Gelingen der Integration. Wir versuchen viele Begegnungsmomente zu schaffen: über Feste, Vereine, Patenschaften, (u.a. Familien, die Familien helfen), die Teilnahme an öffentlichen Aktivitäten, usw.

Nach der Gründung der Initiative Gemeinsam in Bad Rappenau Ende August 2015 erfolgte schon schnell das Aufbauen einer Fahrradwerkstatt, einer Kleiderkammer, ehrenamtlicher Sprachstunden und Cafe M.

Die Fahrradwerkstatt wird jeden Samstag von einem deutsch- afghanischen Team geleitet und betreut. Hier bekommen alle Rappenauer Flüchtlinge ein verkehrstüchtiges Fahrrad mit Fahrradhelm gestellt. Auch bekommen sie mehrsprachige Flyer mit den Verkehrsregeln. Sie führen außerdem gemeinsam Reparaturen durch.

Die Kleiderkammer ist seit September 2015 jeden Montag geöffnet. Dort findet man neben zur Saison passenden Kleidung auch Handtücher, Rucksäcke, Decken, etc. Im Kleiderkammerteam arbeiten auch regelmäßig Flüchtlinge mit. Darüber hinaus unterstützen wir die Wohnungs- und Möbelsuche für anerkannte Geflüchtete, die eine eigene Wohnung beziehen dürfen.

Im CafeM treffen sich jeden Sonntag Flüchtlinge, Ehrenamtliche und Interessierte. Während die Erwachsenen Tee trinken, Schach spielen, manchmal auch Musik machen und sich austauschen, wird mit den Kindern gespielt und dabei Deutsch gelernt. Ab und zu wird auch Kinderschminken oder Ähnliches angeboten. Auch hier arbeiten Flüchtlinge mit.

Die Sprache ist der Schlüssel zur Integration. Eine große Gruppe Ehrenamtliche gibt  1-2 mal wöchentlich Sprachstunden. Die Gruppen wurden möglichst homogen eingeteilt, damit AnalphabetInnen in einem anderen Tempo lernen können als AkademikerInnen. Wir verteilen auch hilfreiche Links, Apps und Unterlagen.

Selbstverständlich ist uns das Thema Arbeit auch sehr wichtig, da unsere Flüchtlinge eine langfristige Perspektive brauchen. Wir haben seit März von fast allen NeubürgerInnen die beruflichen Daten erhoben und unterstützen sie bei der Suche nach Praktikums-, Ausbildungs- und Arbeitsplätzen. Wir arbeiten dabei direkt mit der Agentur für Arbeit in Heilbronn zusammen.

Im Juli haben wir in enger Zusammenarbeit mit der Agentur für Arbeit 300 Firmen in Bad Rappenau und Umgebung zu einem Infoabend für Arbeitgeber eingeladen. Das Flüchtlingsteam der Agentur hielt einen Vortrag, in dem die Arbeitgeber informiert wurden, auf was man bei der Einstellung von Geflüchteten achten muss und welche Unterstützung die Agentur bietet. Außerdem gab es die Möglichkeit, sich auszutauschen und Fragen zu stellen.

 

Im Oktober 2016 organisieren wir ein Bewerbertreffen, bei dem Arbeitgeber Stellenausschreibungen an die Agentur für Arbeit schicken und wir suchen nach passenden Kandidaten. Am Bewerbertreffen lernen sie sich kennen und hoffentlich entstehen daraus Praktikums- oder Arbeitsstellen. Mittlerweile haben wir schon etwa 20 Flüchtlinge in Praktika, Ausbildungs-, Arbeitsstellen oder Arbeitsgelegenheiten vermittelt.

Im Januar gab es in Bonfeld ein Willkommenfest für die 130 Menschen, die am 30.12.2015 angekommen waren. Neben freundschaftlichem Fußball spielen mit den Kindern, Kaffee, Kuchen und live Musik wurde hier erstmals die Möglichkeit geboten Kontakte zu knüpfen und sich auszutauschen.

Zu verschiedenen Begegnungsfesten  wurde eine Trommlerin für einen Trommelworkshop mit zehn Djembes eingeladen, was sehr gut ankam. Für ein Kinderfest hatten wir zwei Klinik Clowns organsiert, zur großen Freude der Kinder. Zu einem anderen Fest haben wir eine Zauberin eingeladen. Zu diesen Gelegenheiten gab es viel zu Lachen und im Anschluss wurde jedem noch ein leckeres Eis spendiert.

Die Freizeitgestaltung kommt auch nicht zu kurz. Viele unserer Flüchtlinge und ihre Kinder sind in diversen Vereinen untergebracht . Ob im Fußball- oder Volleyballverein oder auch im Chor oder Kinderturnen, für jeden der möchte gibt es eine gute Möglichkeit die dem Interesse desjenigen entspricht. So lernen sie Deutsche kennen, mit denen sie ein gemeinsames Interesse teilen, was wichtig im Integrationsprozess ist.

In der Gemeinschaftsunterkunft in Bonfeld (130 Personen) schafften wir es, einen regelmäßigen, durch Ehrenamtliche betreuten Spielkreis aufzubauen. Zusammen werden drei Mal pro Woche deutsche Kinderlieder gesungen und Spiele gespielt, Wasserschlachten veranstaltet, gepuzzelt oder auch gemalt.

Es ist jedes Mal ein kleines Highlight für die Kinder wenn die Ehrenamtlichen hereinkommen, bewaffnet mit Spielen und guter Laune. Natürlich ist es auch für die Eltern der Kinder eine große Unterstützung, für ein bis zwei Stunden Ruhe zum Deutsch lernen zu haben.

Auch die kreative Seite der Kinder wird durch diverse Kunstprojekte gefördert, zum Beispiel das Bearbeiten von Specksteinen oder das Malen auf große Bettlaken welche den Gemeinschaftsraum verschönern sollen.

Von der Stadt Bad Rappenau gab es im Juli den Aktionstag „Spielen ohne Grenzen“. Wir nahmen mit acht Teams von 5-6 Personen teil und ermöglichten somit ein paar Stunden Spiel und Spaß. Ein afghanisches Team gewann sogar den dritten Preis!

Beim Auf- und Abbauen des großen Blacksheep festivals in Bonfeld haben viele Flüchtlinge Seite an Seite mit den Deutschen zusammengearbeitet und gefeiert. Sie freuten sich, dass sie jetzt etwas zurückgeben konnten.

Im Dezember haben wir ein Konzert organisiert: ‚Musik  aus aller Welt‘ mit Musikern aus Afghanistan, Syrien, dem Irak und Deutschland. Eine Woche später haben wir unsere Musiker zu einem offenen Konzert für musikalische Flüchtlinge in der Innovationsfabrik in Heilbronn begleitet, wo sie einen Auftritt hatten.

Als dieses Jahr die Sommerferien näher rückten, gab es für die Kinder die Möglichkeit beim städtischen Ferienprogramm mitzumachen, auch das Jugendhaus hatte ein eigenes Ferienprogramm bei dem die Kinder herzlich eingeladen waren.  In der letzten Ferienwoche organisierten wir noch einen Ausflug in die Experimenta in Heilbronn, zu dem alle Kinder zwischen 6-15 Jahren eingeladen waren. Es wurde ein unvergesslicher Tag für alle.

Für die Erwachsenen haben wir im letzten Jahr einige Ausflüge organisiert: das Technikmuseum in Sinsheim, Audi, die Experimenta, ein Bundesligaspiel in Hoffenheim, ein Konzert mit afghanischen Musikern, etc.

Wir unterstützen die Menschen, die das noch nicht selbstständig können beim Ausmachen der Arzttermine und wenn nötig, werden sie zum Arzt begleitet. Kurz nach der Ankunft der 130 Personen in Bonfeld (am 30.12.2015), unter denen ca. 25 Kinder sind, haben wir in Zusammenarbeit mit dem Kinderarzt eine große Impfaktion organisiert.

Im Juli haben wir eine Fotoausstellung von zwei Flüchtlingsfotografen eröffnet, die für zwei Monate im Rathaus von Bad Rappenau zu sehen ist. Sie heißt ‚Deutschland durch die Augen der Flüchtlinge‘, Zwei unserer Schützlinge zeigen ihre Perspektive auf ihr neues Leben in Bad Rappenau.

Neben all diesen Aktivitäten und Projekten geht der Blick natürlich auch in die Zukunft. Auch hier haben wir Einiges geplant. So zum Beispiel ein Begegnungsfest im Oktober, bei dem erneut BürgerInnen, Ehrenamtliche, Interessierte und Flüchtlinge aufeinander treffen sollen.

Hierbei sollen viele Spiel- Stationen für Kinder aufgebaut werden um für sie ihnen einen möglichst schönen Nachmittag zu gestalten. Auch wird die Trommlerin wieder eingeladen, um gemeinsam mit den Flüchtlingen zu musizieren.

„Gemeinsam in Bad Rappenau“ ist unermüdlich dabei, sowohl im Alltag zu helfen und unterstützend zur Seite zu stehen, als auch von Zeit zu Zeit aus dem Alltag auszubrechen und mit Projekten Höhepunkte im Leben der Geflüchteten zu setzen.

Dabei ist uns der Aspekt der Integration und Sprachhilfe sehr wichtig, denn es reicht nicht aus den Menschen im Moment zu helfen, sondern wir müssen sie auch darauf vorbereiten, auf eigenen Füßen zu stehen und selbstständig zu werden. Doch solange sie unsere Hilfe brauchen, werden wir hinter ihnen stehen und ihnen den Rücken zu stärken.